Steinmarmor
Das älteste Muster des Buchbinderhandwerks: Farbe auf Farbe gestreut, bis das Bad voll steht, zuletzt Gallwasser — es drängt die Tropfen zu Steinen mit hellen Adern auseinander. Standard für Vorsätze des 18. und 19. Jahrhunderts.
Marmormuster sind Schrittfolgen: dieselben Tropfen, andere Züge. Die sechs Bögen unten rechnet Ihr Browser mit einer festgehaltenen Folge — die Schritte stehen unter jedem Bogen. In der Wanne der Werkstatt entsteht daraus je Bad eine Auflage von etwa fünfundzwanzig Bögen, keiner wie der andere.
Das älteste Muster des Buchbinderhandwerks: Farbe auf Farbe gestreut, bis das Bad voll steht, zuletzt Gallwasser — es drängt die Tropfen zu Steinen mit hellen Adern auseinander. Standard für Vorsätze des 18. und 19. Jahrhunderts.
Türkisch für „komm — geh“: Der Kamm fährt einmal quer und einmal längs durchs Bad. Aus Steinen werden gegeneinander laufende Spitzen — die Grundlage fast aller weiteren Züge und das Alphabet jeder Marmoriererin.
„Ohnegleichen“: Nach dem Gel-Git zieht ein enger Kamm alle Bahnen in gefiederte Säulen. Das Muster der Amtsstuben — unzählige Akten des 19. Jahrhunderts tragen es auf dem Schnitt, weil jede Fälschung die Federn bricht.
Eine breite Welle legt sich über die Nonpareille-Säulen und bringt den ganzen Bogen zum Schwingen. In alten Musterbüchern auch „Ondé“ — beliebt für Überzüge, weil das Muster jede Buchkante weich umläuft.
Der Stift dreht das gekämmte Bad Wirbel für Wirbel ein — in Frankreich „Tourniquet“. Jede Schnecke braucht eine ruhige Hand: Wer zu schnell dreht, reißt den Grund und die Mitte läuft leer.
Ein feiner Bogenwurf gegen die Kammrichtung staucht die Säulen zu kleinen Sträußen — im Englischen „Bouquet“. Das anspruchsvollste unserer Muster: Die Werkstatt rechnet mit jedem fünften Bogen als Ausschuss.
Die Musterbögen oben sind gerechnete Lehrstücke mit festgehaltener Saat — deshalb sehen sie bei jedem Besuch gleich aus. Was die Wanne wirklich hergibt, zeigt die Werkstattseite: Dort wird bei jedem Aufruf neu geschöpft.