BLANK Oberflächentechnik

Verfahren · Daten statt Adjektive

Sechs Verfahren, ein Maß:
Mikrometer.

Jedes Verfahren steht hier mit den Werten, nach denen es beauftragt wird — Schichtdicke, Härte, Norm, und dem, was es nicht kann. Ganz unten rechnet der Schichtzeitrechner die Badzeit für Hartchrom nach Faraday.

Der dekorative Aufbau

Kupfer → Nickel → Chrom

00 · Schleifen und Polieren

Der galvanische Glanz ist eine Kopie: Das Bad bildet die Oberfläche ab, die es vorfindet. Deshalb entscheidet die Schleiferei über das Ergebnis, nicht der Gleichrichter. Wir schleifen Stahl und Messing bis Ra 0,1 µm; bei stark verrundeten Kanten oder tiefen Narben sagen wir vor dem Bad, was erreichbar ist — und was nicht.

Erreichbare Rauheit auf StahlRa 0,1 µm
Typischer Zeitanteil am Auftrag50 – 70 %
Nicht schleifbarNarben > 0,3 mm Tiefe

01 · Verkupfern

Kupfer ist die Ausgleichsschicht: dicht, duktil, gut polierbar. Auf Zinkdruckguss ist es zwingend, weil Nickel dort nicht haftet; auf Stahl gleicht es Poren und feine Riefen aus. Wer Kupfer spart, sieht das nach dem Verchromen — dann ist es zu spät.

Schichtdicke10 – 30 µm
Elektrolytsauer, glanzbildend
NormbezugDIN EN ISO 1456

02 · Glanzvernickeln

Nickel trägt den Korrosionsschutz des gesamten Systems. Die Beständigkeitsklasse einer „Verchromung“ nach DIN EN ISO 1456 wird über die Nickeldicke definiert, nicht über das Chrom. Für Außenteile legen wir 25 µm zugrunde, für Innenteile reichen 15 µm.

Schichtdicke innen / außen15 / 25 µm
Glanzgradglänzend oder seidenmatt
NormbezugDIN EN ISO 1456

03 · Glanzverchromen

Die Deckschicht: 0,3 µm Chrom halten Anlauf, Fingerabdrücke und Reinigungsmittel ab. Seit 2022 scheiden wir dekorativ ausschließlich aus dem Chrom(III)-Elektrolyt ab — ohne Chromtrioxid im Haus.

Ehrlich ist: Der Farbton liegt minimal wärmer als der alte Chrom(VI)-Glanz. Neben einem Altteil aus den Neunzigern sieht man den Unterschied im Streiflicht. Wer Anbauteile zu Altbeständen ergänzt, bekommt von uns vorab ein Musterblech.

Schichtdicke0,3 µm
ElektrolytChrom(III), seit 2022
Farbton gegen Cr(VI)-Altteileminimal wärmer
NormbezugDIN EN ISO 1456

Die Solitäre

Direkt auf den Grundwerkstoff

S1 · Hartverchromen

Hartchrom ist kein glänzenderes Glanzchrom, sondern ein anderes Verfahren: dicke Schichten direkt auf Stahl, gegen Verschleiß, Fressen und Korrosion — Kolbenstangen, Hydraulik, Walzen, Umformwerkzeuge. Abnahme nach DIN EN ISO 6158, Härteprüfung nach DIN EN ISO 4516 auf Wunsch mit Prüfprotokoll.

Das Verfahren läuft aus dem Chrom(VI)-Elektrolyt und damit unter REACH-Autorisierung. Was das für die Zukunft des Verfahrens bedeutet, steht offen auf der Betriebsseite.

Schichtdicke je Seite20 – 500 µm
Mikrohärte850 – 1.050 HV 0,1
Stromdichte30 – 60 A/dm²
Abscheiderate25 – 70 µm/h
Ab ~60 µmAufmaß + Schleifen auf Endmaß
NormbezugDIN EN ISO 6158

S2 · Chemisch Nickel (NiP)

Ohne äußeren Strom wächst die Nickel-Phosphor-Schicht überall gleich schnell — in Bohrungen, Gewinden und Hinterschnitten genauso wie auf der Fläche. Konturtreue etwa ±10 % der Schichtdicke. Für Passungen, Führungen und komplexe Geometrien ist NiP deshalb fast immer die bessere Antwort als Hartchrom.

Mittelphosphorige Abscheidung (6–9 % P). Die Härte lässt sich durch Wärmebehandlung bei 380 °C fast verdoppeln — das kostet einen Ofengang und kann Maßänderungen im µm-Bereich bringen; wir sagen vorher, ob das Bauteil das verträgt.

Schichtdicke8 – 50 µm
Phosphorgehalt6 – 9 %
Härte, abgeschieden≈ 500 HV 0,1
Härte, wärmebehandelt 380 °Cbis 950 HV 0,1
Konturtreue± 10 % der Schichtdicke
NormbezugDIN EN ISO 4527

Der Schichtzeitrechner

Hartchrom · Faraday,
ehrlich gerechnet

Wie lange hängt das Teil im Bad?

Chrom scheidet aus dem Chrom(VI)-Elektrolyt mit nur 12–18 % Stromausbeute ab — der Rest des Stroms macht Wasserstoff. Deshalb dauert Hartchrom so lange, wie es dauert. Gerechnet wird nach Faraday mit M = 52 g/mol, z = 6, ρ = 7,14 g/cm³; das Ergebnis ist reine Expositionszeit.

Typische Badzeiten nach Faraday, gerundet
Anwendung Dicke Stromdichte Ausbeute Rate Badzeit
Dünnschicht auf Werkzeug 25 µm 40 A/dm² 14 % 25,4 µm/h 0 h 59 min
Kolbenstange, Standardaufbau 120 µm 45 A/dm² 15 % 30,6 µm/h 3 h 56 min
Verschleißaufbau Walze 300 µm 55 A/dm² 16 % 39,9 µm/h 7 h 32 min
Obergrenze des Werks 500 µm 55 A/dm² 16 % 39,9 µm/h 12 h 33 min