Vehring

Vom Aufmaß bis zur Stimmung

Sechs Schritte,
drei Jahre

Zwischen dem ersten Besuch in der Kirche und dem letzten gestimmten Ton liegen bei einem Neubau rund dreißig Monate. Der längste Teil davon ist nicht der Bau.

Der Weg eines Instruments

01 — Aufmaß

Eine Woche im Raum

Nachhallzeit, Grundriss, Emporenmaße, Fensterachsen, Heizung. Wir messen die Nachhallzeit bei besetzter und bei leerer Kirche — der Unterschied entscheidet über die Mensuren.

02 — Entwurf

Disposition und Prospekt

Erst die Disposition, dann das Gehäuse. Der Prospekt ist keine Fassade: Die sichtbaren Pfeifen gehören zu einem klingenden Register und stehen dort, wo sie akustisch hingehören.

03 — Windladen

Schleifen aus Eiche

Schleifladen aus zwanzig Jahre gelagerter Eiche. Jede Schleife wird von Hand eingepasst, bis sie ohne Filz dicht läuft und trotzdem leichtgängig bleibt.

04 — Pfeifenwerk

Gegossen und gehobelt

Zinn und Blei gießen wir auf dem Sandtisch. Prinzipale bekommen hohes Zinn, Gedackte dürfen bleireicher sein. Danach hobeln, runden, löten, Kern und Labium einrichten.

05 — Aufbau

Zweimal aufgestellt

Einmal in der Werkstatt zur Probe, einmal endgültig in der Kirche. Was in der Werkstatt nicht vollständig gestanden hat, geht nicht aus dem Haus.

06 — Intonation

Nachts, über Wochen

Jede einzelne Pfeife wird im Raum eingerichtet: Kernstich, Aufschnitthöhe, Fußöffnung. Sechs bis zehn Wochen, meist zwischen 22 und 4 Uhr, weil es dann still genug ist.

Rechner

Wie lang wird die Pfeife?

In einer offenen Labialpfeife steht die halbe Wellenlänge. Aus dem Ton folgt damit die Länge — und aus der Länge der Name des Registers.

Fußtonlage des Registers

8′ klingt so hoch, wie die Taste heißt. 16′ eine Oktave tiefer, 4′ eine höher, 2′ zwei höher.

Die theoretische Länge ist die halbe Wellenlänge bei 20 °C Lufttemperatur. Gebaut wird kürzer: An der Mündung schwingt Luft über die Pfeife hinaus mit, sodass sie tiefer klingt, als ihre Länge vermuten lässt. Wie viel kürzer, hängt vom Durchmesser ab — bei unseren Prinzipalmensuren rund ein Zehntel.

Deshalb ist der Registername eine gerundete Angabe. Ein „8-Fuß“ misst tatsächlich etwa 2,4 Meter, nicht 2,44 — und die tiefste Pfeife des Prinzipalbass 16′ steht mit knapp fünf Metern schon deshalb im Prospekt, weil sie nirgendwo sonst hinpasst.

Ergebnis

Klingt als
Frequenz
261,6 Hz
Theoretisch
65,5 cm
Gebaut
59,0 cm

Danach

Was eine Orgel
im Jahr braucht

Der häufigste Schaden ist keine Störung im Instrument, sondern ein zu schnell geheizter Kirchenraum.

Pflegevertrag, Richtwerte je Instrument
ArbeitRhythmusDauer
Stimmung Zungenzweimal jährlich1 Tag
Stimmung Labialenjährlich2 Tage
Durchsicht Trakturjährlich1 Tag
Reinigung Pfeifenwerkalle 25 Jahre6–10 Wochen
Lederung Bälgealle 40 Jahre3 Wochen
Heizung: Anstiegdauerhaftmax. 1 K je Stunde
Raumluftfeuchtedauerhaft45–65 %