Saatgutarchiv ZollernalbErhaltungsinitiative seit 1994

Erhaltungsinitiative · Hechingen · seit 1994

Sorten, die sonst
niemand mehr anbaut

Wir bewahren Gemüse- und Getreidesorten der Zollernalb, die aus dem Handel verschwunden sind. Nicht als Sammlung hinter Glas, sondern als Saatgut, das jedes Jahr wieder in die Erde muss.

24Akzessionen im Bestand
12Arten
11davon mit fälligem Nachbau
1918älteste dokumentierte Aufsammlung

Grundbegriff

Eine Akzession ist keine Sorte

Der Unterschied klingt kleinlich und ist der Kern der Arbeit: Wir bewahren nicht „die Killertaler Bohne“, sondern eine bestimmte Aufsammlung aus einem bestimmten Garten in einem bestimmten Jahr.

Herkunft

Wo sie herkommt

Ort und Jahr der Aufsammlung, meist von einem Hausgarten. Ohne diese Angabe ist Saatgut für die Erhaltung wertlos.

Prüfung

Was sie noch kann

Keimfähigkeit, jedes Jahr im Februar an 100 Korn ausgezählt. Der Wert entscheidet, ob abgegeben oder nachgebaut wird.

Nachbau

Wann sie zurück in die Erde muss

Spätestens nach fünf Jahren, bei sinkender Keimfähigkeit früher. Ein Nachbau kostet eine ganze Saison und eine isolierte Fläche.

Abgabe

An wen sie geht

An Menschen, die vermehren und zurückgeben. Wir sind keine Saatgutbörse — jede Portion, die geht, fehlt im Kühlraum.

Lagerung

Kalt, trocken, dunkel

Die Faustregel des Saatgutlagers: Temperatur in Grad Celsius plus relative Luftfeuchte in Prozent soll unter 50 bleiben.

Lagerbedingungen und erwartete Haltbarkeit, Werte des Archivs
Art Erwartete Haltbarkeit Nachbau spätestens Portionsgröße
Bohne, Erbse4–6 Jahre5 Jahre30 Korn
Tomate6–10 Jahre5 Jahre25 Korn
Kürbis, Gurke5–8 Jahre5 Jahre15 Korn
Kohl4–5 Jahre4 Jahre50 Korn
Möhre, Pastinake2–3 Jahre3 Jahre120 Korn
Zwiebel1–2 Jahre2 Jahre150 Korn
Salat3–4 Jahre4 Jahre80 Korn
Getreide5–8 Jahre5 Jahre200 Korn

Zwiebeln sind der Grund für die meisten Ausfälle. Zwiebelsaatgut verliert schneller an Keimkraft als alles andere im Kühlraum. Die Akzession ZA-0058 „Junginger Platte“ steht bei 52 Prozent und ist gesperrt — sie geht diese Saison in den Nachbau, sonst ist sie weg.

Was wir wirklich brauchen

  1. Flächen mit Abstand

    Für den Nachbau brauchen wir isolierte Flächen. Bei Kürbis sind das 500 Meter zum nächsten Kürbis, bei Kohl 1.000 Meter zu jedem anderen blühenden Kohl. Wer so eine Fläche hat, ist uns mehr wert als eine Spende.

  2. Menschen, die aussäen und zurückgeben

    Ein Nachbau ist erst abgeschlossen, wenn geerntetes Saatgut mit Protokoll zurückkommt. Etwa ein Drittel der ausgegebenen Portionen kehrt nicht zurück. Das ist der eigentliche Verlust.

  3. Alte Tüten vom Dachboden

    Wenn Sie beschriftetes Saatgut aus einem Nachlass finden: bitte nicht wegwerfen, auch wenn es zwanzig Jahre alt ist. Der Zettel mit Ort und Jahr ist oft wertvoller als der Inhalt.

Wie ein Nachbau abläuft